Mit Typ-1-Diabetes hoch hinaus
Markus «Mauzi» Sauer läuft Marathons. Sein ständiger Begleiter ist der Typ-1-Diabetes. Die Diagnose hat ihn angespornt, angetrieben auf seinem Weg durchs Leben, über Marathondistanzen hinweg. Seine neueste Herausforderung war die Bewältigung des Transalpine Run (TAR).
Lesen Sie hier, wie er sich auf den großen Lauf über die Alpen vorbereitet hat, was seine Strategie war, um seine Glukosewerte in Balance zu halten und was der myLoop mit CamAPS FX mit seinem Zieleinlauf zu tun hat.
Über 7 Tage führte die Strecke von Lech am Arlberg (Österreich) an den Reschensee in Südtirol (Italien) – auf einer zu 90 Prozent neuen Route mit drei neuen Etappenorten. Insgesamt waren dabei 243 Kilometer und 15.135 Höhenmeter zu bewältigen. Den Transalpine Run (6. bis 12. September 2025) gibt es seit 20 Jahren. Diesmal mittendrin war Markus Sauer, der sich gemeinsam mit seinem Laufpartner Peter diesem Abenteuer gestellt hat.
Markus, seine Marathons und Motivation
Der 1991 in Graz geborene Markus, hat 2015 seine Diabetes Typ-1 Diagnose erhalten. Seither sei er immer süßer geworden, scherzt er gerne. Seit seinem 16. Lebensjahr betreibt er Sport, seit 2014 als Marathonläufer. Nachdem es ihm während seines zweiten Marathons unerklärlicherweise schlecht erging, er bei Kilometer 32 abbrechen musste, erhielt er seine Diagnose. Aufgeben, keine Option für «Mauzi». Auch im Job nicht: Der Mechatroniker, Elektronik- und Energietechnikspezialist arbeitet als Account Manager für Beleuchtungen.
Warum ist das Laufen für Markus so wichtig geworden?
Die Diagnose veränderte sein Leben zwar auf unerwartete Weise, aber er entschloss sich Marathon um Marathon zu laufen und lernte dabei, seine Glukosewerte im Griff zu behalten.
gab er in einer Lokalzeitung zu Protokoll. Sein myLoop mit CamAPS FX begleitet ihn auf jedem Kilometer. Seinen bisherigen Rekord stellte er 2022 auf: 3:05:11 Stunden. Darauf ist er stolz, möchte aber bald die 3-Stunden-Marke brechen. Dafür trainiert er hart.
Markus Sauer möchte mit seinem Lauf eine positive Einstellung zum Diabetes erreichen und andere dazu motivieren, Sport zu machen, dabei jedoch achtsam zu bleiben.
«Hör auf deinen Körper, dann ist alles möglich!» Den Diabetes empfindet er mehr als Motivation denn als Hindernis.
"Gute Vorbereitung und die richtige Technologie - so schafft man mit Diabetes alles"
mylife Diabetes Care: "Markus, Du stellst Dich Deiner wohl größten Herausforderung!"
Markus (lacht): "Ja. Mit meinem Lauffreund Peter nehme ich den Transalpine Run (TAR) in Angriff, einen siebentägigen Etappenlauf über insgesamt 243 Kilometer mit extremen Höhen."
mylife Diabetes Care: "Was motiviert Dich dazu?"
Markus: "Wir wollen gemeinsam unsere Grenzen, neue Leute und schöne Landschaften kennenlernen. Außerdem wollen wir der Welt zeigen, dass es auch mit Diabetes keine Grenzen gibt – außer man setzt sie sich selbst. Vor zwei Jahren habe ich schon neun Marathons in neun Tagen absolviert, nun kommen noch mehr als 15.000 Höhenmeter dazu."
mylife Diabetes Care: "Was hast Du bei einem solchen Rennen für Dein Diabetes-Management dabei?"
Markus: "Ich nutze das myLoop AID-System (Automatisierte Insulin-Abgabesystem) oder ein hybrides Closed-Loop-System: die YpsoPump Insulinpumpe, gekoppelt mit meinem CGM-sensor (Kontinuierliche Glukosemessung) und der CamAPS FX App auf meinem Smartphone. Das läuft sehr zuverlässig. Für den Notfall habe ich aber immer auch einen Insulinpen dabei. Als Energielieferant, oder um meine Glukose hochzubekommen, habe ich Proteinriegel und Invertzuckersirup dabei. Damit kann ich schnell reagieren. Für den Fall, dass mein Glukosespiegel stark abfällt bzw. wenn ich eine Hypo habe, habe ich Glukagon dabei – einmal als klassische Injektion und einmal als Nasenspray. So fühle ich mich im Großen und Ganzen gut vorbereitet für alle Eventualitäten."
mylife Diabetes Care: "Wie siehts bei der Verpflegung aus? Wie rüstest Du Dich aus?"
Markus: "Als schnelle Energiequelle habe ich die LipoSnacks dabei – das sind Zuckertuben mit 36 Gramm reinem Zucker. Zusätzlich nehme ich Proteinriegel mit, entweder 100-Gramm-Riegel mit einem Mischverhältnis von etwa 50 % Protein und 50 % Kohlenhydraten oder kleinere mit 50 Gramm, die ungefähr 55 % Protein und 45 % Kohlenhydrate enthalten. Trinken werde ich überwiegend Wasser, das funktioniert für mich am besten. An den Verpflegungsstationen achte ich außerdem darauf, genug Salz aufzunehmen, gerade wenn ich viel schwitze. Und am Ziel gibt's ja vom Veranstalter traditionell ein Bier – ob mit oder ohne Alkohol weiß ich noch nicht, aber ich werde mich wahrscheinlich eher an die alkoholfreien, isotonischen Getränke halten."
mylife Diabetes Care: "Du läufst gemeinsam mit Deinem Freund Peter."
Markus: "Ja, wir laufen seit mehr als elf Jahren gemeinsam. Es ist ein beruhigendes Gefühl, einen Laufpartner an der Seite zu haben, für mentale Tiefs, aber auch zur Sicherheit. Peter hat zwar keinen Diabetes, kennt sich aber aus und kann im Notfall die nötigen Maßnahmen treffen. Mit der Companion-Funktion könnte ich sogar meine Loop-Daten mit ihm teilen."
mylife Diabetes Care: "Bis zur Startlinie des TAR musstest Du viel trainieren. Wie hast Du das mit Deiner Arbeit unter einen Hut gebracht?"
Markus: "Ich trainiere zweimal wöchentlich Kraft, beginne um 5 Uhr morgens im Fitnessstudio mit gezielten Übungen für Bergläufe. Zusätzlich absolviere ich Vorbereitungsläufe mit vielen Höhenmetern und trainiere mit meinem Vorgesetzten – eine Tradition seit über zwei Jahren. Ergänzend habe ich mit Radfahren und Bouldern begonnen. Insgesamt trainiere ich 10-15 Stunden pro Woche."
Markus über sein Diabetes-Management mit myLoop und CamAPS FX
mylife Diabetes Care: "Markus, die CamAPS FX App erlaubt individuell anpassbare Glukoseziele. Wie planst Du das?"
Markus: "Den persönlichen Glukosezielwert werde ich höher einstellen als im Alltag. Das teste ich die ersten Tage aus. Zusätzlich werde ich «Ease-off» zur Reduktion der Insulinabgabe bzw. «Boost» zur Steigerung verwenden, je nach Notwendigkeit. Möglicherweise ändere ich das Ziel Tag für Tag, je nach Situation."
mylife Diabetes Care: "«Ease-off» ist eine Funktion der CamAPS FX App. In welchen Situationen willst Du diese nutzen?"
Markus: "Ich nutze «Ease-off» hauptsächlich bei langen Aufstiegen, da meine Glukose dort häufig sinkt. Ich aktiviere es bereits vor dem Aufstieg, weil Bergauf-Läufe deutlich anstrengender sind als flache Strecken. Nach dem Rennen verwende ich es je nach Nachbrenneffekt – wenn ich weiterhin viele Kohlenhydrate verbrenne, lasse ich «Ease-off» für ein bis zwei Stunden aktiv, andernfalls schalte ich es aus."
mylife Diabetes Care: "Und die «Boost»-Funktion?"
Markus: "Wenn ich mich verschätze und mein Glukosewert zu hoch ansteigt, nutze ich gerne die "Boost"-Funktion. Eine Korrektur würde ich nicht spritzen, außer es ist ein exorbitant hoher Wert. Ich habe aber auch immer Ketonstreifen zur Kontrolle dabei."
mylife Diabetes Care: "Wie unterscheidet sich ein siebentägiger Lauf von einem einzelnen Marathon? Und was erwartest Du vom Algorithmus der CamAPS FX App?"
Markus: "Im Flachen funktioniert der Algorithmus einwandfrei. Das dürfte aber auch in den Bergen so sein. Ich will auf jeden Fall Hypoglykämien vermeiden, nächtliche aber auch während des Rennens."
Essen und Bolus
Markus Sauer steht vier Stunden vor einem Marathon auf, um ausgiebig zu frühstücken. Sein Anspruch: gut durch jede Etappe kommen. Mit einem Müsli nimmt er eine Mischung aus schnell und langsam verfügbaren Kohlenhydraten zu sich und schaut, was das Buffet im Hotel sonst noch hergibt an Vollkornprodukten, Butter, Honig, Marmelade, Wurst und Käse.
Während des Laufs trinkt er zwischen einem halben Liter und einem Liter Wasser pro Stunde. Bei den Verpflegungsstationen meidet er Elektrolytgetränke, da er den Zucker oder die Kohlenhydrate darin nicht abschätzen kann. Darum konsumiert er Salz zusätzlich, in Wasser aufgelöst. Eine Banane oder eine gesalzene Suppe nimmt er auch. Außerdem hat er immer genügend Energieriegel und Gels dabei.
Seine Bolusstrategie gestaltet er individuell. Am ersten Tag plant er kaum Änderungen vorzunehmen. Nur wenn die Startzeit sehr nah am Frühstück liegt, reduziert er den Bolus. Ab dem zweiten Tag passt er die Strategie basierend auf seinen Erfahrungen an. Für das Frühstück wird er den normalen Bolus voraussichtlich reduzieren. Im weiteren Tagesverlauf plant er mit 50-75% der üblichen Menge, basierend auf den von der CamAPS FX App bereitgestellten Informationen. Diese Anpassung hält er für vernünftig, wobei er vermutlich mit fortschreitender Dauer der Transalpine-Run-Woche die Dosis weiter reduzieren muss.
Markus wird durch sein myLoop mit CamAPS FX unterstützt, um Hypoglykämien während der Erholungsphase zu vermeiden. Diese Strategie hat sich bei früheren Wettkämpfen bewährt, sodass er morgens ausgeruht aufwacht, mit gutem Appetit frühstücken und dann laufen kann. Ein Freund von ihm hat einmal treffend bemerkt, dass das Schlimmste an einem Marathon sei, fünf Stunden lang nichts Vernünftiges essen zu können – eine Aussage, der Markus beipflichtet. Mit ausgewogenen, gut verdaulichen Mahlzeiten zum Frühstück und Abendessen ist er zuversichtlich, dass alles optimal verlaufen wird.
Müdigkeit und Stress
Zum Schluss Markus’ letzte Gedanken kurz vor dem Rennen: